Aus den Regionen im Erzbistum Köln berichten wir auf den Seiten 29 bis 39:

Selbstsicherer werden

Katholische Jugendwerke bitten Pfarreien um Arbeitsmöglichkeiten

Gruppenleiterin Ines Messing (links) ist froh über Daniela Potratz' Hilfe beim Basteln. (Foto: KB)

RHEINDORF. „Ich bin froh, dass ich nicht mehr zu Hause rumsitzen muss“, sagt Daniela Potratz. „Hier kann ich Erfahrungen sammeln.“ Die 24-Jährige, die nach Abschluss ihrer Ausbildung zur Kinderkrankenschwester keine Anstellung gefunden hat, arbeitet seit Januar als so genannte „Ein-Euro-Kraft“ in der Kindertagesstätte der Gemeinde Heilig Kreuz. „Ich helfe zum Beispiel beim Frühstücks- und Mittagstisch und spiele mit den Kindern“, erzählt sie. Für Potratz ist dieser „Ein-Euro-Job“ das, was er laut Gesetz sein sollte: eine „Arbeitsgelegenheit“. Leiterin Monika Zuber ist sehr zufrieden mit Potratz’ Arbeit und freut sich zu sehen, wie die 24-Jährige selbstsicherer wird.

Ursula Monheim, Vorsitzende des Katholikenrates, erklärte im Zusammenhang mit den „Ein- Euro-Jobs“: „Wir haben intensiv diskutiert, ob die katholische Kirche solche Arbeitsmöglichkeiten bereitstellen sollte“, sagte sie auf der Vollversammlung des Katholikenrates. „Aber wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass es unsere Aufgabe ist, uns um die arbeitslosen Jugendlichen zu kümmern und einen gewissen Anspruch der Arbeitsgelegenheiten zu sichern.“ Die Vorsitzende unterstützt damit das Werben von Rüdiger Fritz, dem Leiter der offenen Beratungsstelle der Katholischen Jugendwerke, um das Angebot solcher Arbeitsgelegenheiten in katholischen Pfarreien und Einrichtungen.

1260 Jugendliche unter 25 Jahren sind zur Zeit in Leverkusen arbeitslos. 50 davon möchten die Jugendwerke eine Arbeitsmöglichkeit vermitteln.
KB

Das Lächeln der Kinder genügt

91-jähriger Josef Aenstoots setzt Zeichen als Schülerlotse

Der 91-jährige Josef Aenstoots sichert jeden Morgen den Rhöndorfer Schulweg. (Foto: UTO)

BAD HONNEF. Christen müssen Zeichen setzen — Nach dieser Devise hat der 91-jährige Josef Aenstoots (Rhöndorf) sein Leben ausgerichtet. Immer wieder hat er in diesem Sinne Aufgaben in der Öffentlichkeit übernommen. Er war Vorsitzender des Katholischen Bürgervereins Rhöndorf und des örtlichen Bürger- und Ortsvereins, Präsident des Kirchenchores von St. Mariä Heimsuchung und saß als Volksvertreter im Stadtrat. Noch heute singt er im Kirchenchor und ist als Notenwart zuständig für die Ordnung in den Sängermappen.

Nach dem zweiten Weltkrieg hatte er regen persönlichen Kontakt mit Konrad Adenauer, zunächst bei der Gründung der Bad Honnefer CDU, später als Ausrichter der Geburtstagsfeierlichkeiten für den Bundeskanzler durch den Bürger- und Ortsverein.

Nun setzt Josef Aenstoots im hohen Alter ein weiteres Zeichen. Seit fast drei Jahren übt er den Dienst als Schülerlotse am Zebrastreifen vor der Rhöndorfer Kapelle aus. An allen Schultagen und bei jeder Witterung steht er dort von sieben Uhr bis kurz nach acht Uhr und geleitet die Kinder der nahe gelegenen Grundschule über die Straße. Aenstoots bezeichnet die stark und schnell befahrene Straßenstelle als „lebensgefährlich“ für die Fußgänger. Aber „den Kindern zuliebe“ nimmt er die täglichen Strapazen auf sich. Um seinen Dienst rechtzeitig anzutreten, steht der Witwer bereits um 5.30 Uhr auf. Nach Gymnastik und Frühstück fährt er mit seinem Elektromobil zur Übergangsstelle im Ortskern. Dort zieht er ein gelbes Cape über, setzt sich eine orangefarbene Kappe auf, nimmt die Kelle in die Hand und waltet seines Amtes.

Von Lohn und Dank will Josef Aenstoots nichts wissen. Das Lächeln und ein freundliches „Guten Morgen“ der Schülerinnen und Schüler reichen ihm.
UTO

200 Jahre Johanna Etienne

Augustinerinnen feiern Geburtstag mit Pontifikalamt im Kloster Immaculata

NEUSS. Die Augustinerinnen erinnern im würdigen Rahmen an den 200. Geburtstag ihrer Ordensgründerin Mutter Johanna Etienne. „Mit einer tiefen Liebe zu Gott und den Armen schuf sie Werke der Caritas, die weit über Neuss hinaus wirksam waren. So gab sie Antwort auf die Not ihrer Zeit“, so Oberin Schwester M. Wiltrudis. Die Ordensfrauen feiern am Freitag, 1. April, ab 17 Uhr mit Erzbischof Kardinal Joachim Meisner ein Pontifikalamt in der Kirche des Mutterhauses, dem Kloster Immaculata.

Bei einem sich anschließenden Empfang sprechen Dr. Max Tauch, früherer Direktor des Clemens-Sels-Museums, und der ehemalige Stadtdirektor Franz- Josef Schmitt über Johanna Etienne, ihr Leben und Werk sowie die Bewahrung ihres Erbes.

Mutter Johanna Etienne wurde am 1. April 1805 in Grimlinghausen — nur wenige Kilometer vom heutigen Mutterhaus entfernt — geboren. Nach einigen Jahren segensreichen Wirkens im Kloster der Cellitinnen in Düsseldorf wurde sie nach Neuss geschickt und gründete dort die heute 85 Mitglieder zählende „Genossenschaft der Barmherzigen Schwestern nach der Regel des heiligen Augustinus“.

Was sie in der Quirinusstadt erwartete, beschreibt die Chronik so: „Radikale Armut, Unsicherheit, Unverständnis, tiefe menschliche Einsamkeit.“ Dennoch machte sich ihre Gemeinschaft mit Erfolg daran, eine „Privat-Pflege-Anstalt für Geistes- und Gemütskranke weiblichen Geschlechts“ aufzubauen.

Heute zählen zur 2002 gegründeten Augustinerinnen-Stiftung „Corunum“ Kliniken und Seniorenzentren in Neuss, Dormagen, Krefeld, Viersen und Solingen, darunter das Johanna-Etienne-Krankenhaus im Neusser Norden.

Beim Orden verblieben Mutterhaus, Altenheim und Hospiz im Kloster Immaculata sowie das Haus Maria Königin in Bad Münstereifel.
ZIM

50 Jahre ASG-Bildungsforum

Festredner würdigten Arbeit der Einrichtung — Zu Wertgrundlagen stehen

DÜSSELDORF. „Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Sobald man damit aufhört, treibt man zurück.“ Mit diesen Worten beginnt die multimediale Präsentation „50 Jahre ASG“, die jetzt anlässlich des Geburtstags der katholischen Bildungseinrichtung innerhalb des offiziellen Festakts erstmals vorgestellt worden ist. In diesen 50 Jahren entwickelte sich das ASG-Bildungsforum, das Organ der Arbeitsgemeinschaft Sozialpädagogik und Gesellschaftsbildung, zu einem der größten staatlich geförderten Anbieter von Weiterbildungsmaßnahmen in Nordrhein-Westfalen. Über die Weiterbildungs-Kompetenz hinaus nimmt das ASG-Bildungsforum aber auch die Aufgaben des regionalen Katholischen Bildungswerks und der Katholischen Familienbildungsstätte für das Stadtdekanat Düsseldorf wahr. Eingeleitet von einem von Stadtdechant Rolf Steinhäuser gefeierten Festgottesdienst in der Basilika St. Lambertus, stand beim Festakt im Robert-Schumann-<> Saal des Ehrenhofs ein Vortrag von Professor Dr. Karl-Rudolf Korte im Mittelpunkt. Thema des Professors für Politikwissenschaften an der Universität Duisburg-Essen: „Regierungskunst in der Aufregungsdemokratie — vom langsamen Verschwinden der repräsentativen Ordnung.“ „Es liegt an uns, an den Wählern, Regierungskunst zu belohnen, die sich auf eigene Wertgrundlagen besinnt“, betonte er und zog damit eine Parallele zum vom ASG-Bildungsform geleisteten Beitrag für Erhalt und Unterstützung von Werten in der Gesellschaft.

„Ein selbstbewusstes geistliches Profil, das auch im beruflichen Kontext authentisch vorgelebt wird, lässt heute stärker aufhorchen als angepasste Zeitgenossenschaft“, schrieb denn auch Joachim Kardinal Meisner, Erzbischof von Köln, in seinem Grußwort zum 50-jährigen Bestehen des ASG-Bildungsforums. Neben Oberbürgermeister Joachim Erwin würdigten auch der Vizepräsident des Landestags, Dr. Helmut Linssen, Hans-Jürgen Riesenbeck als Regierungsvizepräsident und Erwin Müller-Ruckwitt, Leiter der Hauptabteilung Bildung und Medien im Generalvikariat des Erzbistums Köln, die Arbeit des ASG-Bildungsforums.
RM

Dringende Projekte sichern

St. Laurentius hat Ausschuss für Spenden und Stiftungen gegründet

BURSCHEID. Nicht immer lassen sich alle Wünsche einer Pfarrgemeinde finanziell aus dem Haushalt erfüllen. Ohne Sponsoren- oder Spendengelder würde so mancher Spielplatz einer Kindertagesstätte, eine Jugendfreizeit oder Ähnliches nicht existieren. So auch in der Pfarrgemeinde St. Laurentius in Burscheid. Um den Kontakt zu den „Wohltätern“ zu halten, hat der Kirchenvorstand (KV) vor etwa einem Jahr einen „Ausschuss für Spenden und Stiftungen“ gegründet. Dem gehören neben dem Pfarrer drei Mitglieder vom KV und vier sachkundige Pfarrmitglieder an: Diese sind ein Notar, ein Finanzdienstleister, ein Geschäftsführer eines international tätigen Unternehmens und ein Inhaber einer Werbeagentur. Grund für die Gründung war neben der Kontaktpflege, so Pfarrer Markus Höyng, dass die Gemeinde die Kosten für den Pfarrbrief nicht mehr in voller Höhe aufbringen konnte. Damit ist die zweite Aufgabe des Ausschusses umrissen. Er soll, so Höyng, in der Gemeinde Projekte ausfindig machen, die dringend notwendig sind, und sich überlegen, wie diese finanziert werden könnten. Das heißt, der Ausschuss trägt die Informationen eines Projektes oder für eine Maßnahme zusammen, begründet sie und sucht nach Einrichtungen, Firmen oder Privatpersonen, die bereit wären, dafür zu spenden.

Das erste große Projekt sind die Kosten für die Unterbringung von etwa 800 ausländischen Gästen zum Weltjugendtag. So hat man die einzelnen Positionen aufgelistet und gezielt mögliche Sponsoren für Lebensmittel, Getränke, T-Shirts für Helfer und als Souvenir, Zelt und Internetcafé gesucht und gefunden. Als Dank erhält jeder Sponsor eine WJT-Flagge, um sie an seinem Betrieb oder seiner Einrichtung zu hissen.

Pfarrer Höyng ist begeistert über die gute Resonanz und die kreativen Ideen aus dem Ausschuss. Nächstes Projekt ist der Pfarrbrief. Um die kommenden Sparmaßnahmen des Erzbistums durch das Projekt „Zukunft heute“ zu „schultern“, ist Höyng froh, dass St. Laurentius frühzeitig den „Ausschuss Spenden und Stiftungen“ gegründet hat.
KL

Lernen von der Weltmeisterin

Rekord-Fußballerin Bettina Wiegmann zu Gast im Berufskolleg St.-Nikolaus-Stift

Fußballweltmeisterin Bettina Wiegmann zeigte den angehenden Erzieherinnen jede Menge Tricks mit dem Ball. (Foto: BLU)

ZÜLPICH-FÜSSENICH. Unter Bewegungsmangel und Übergewicht leiden vielfach schon die Kleinen im Kindergarten. Wie der Spaß an Sport und Spiel bei den Jüngsten gefördert werden kann, zeigte den angehenden Erzieherinnen im Berufskolleg St.-Nikolaus-Stift die Rekord-Fußballnationalspielerin Bettina Wiegmann. Im Mittelpunkt standen Übungen mit dem Ball, stets aber erläuterte die Trainerin auch ihre Methoden und gab Hinweise, wie das Gezeigte kindgerecht umgesetzt werden kann. Unter den fachkundigen Augen von fußballinteressierten Eltern und Schülern demonstrierte die Fußballweltmeisterin die modernen Trainingsmethoden. Den Kontakt zum Berufskolleg St.-Nikolaus- Stift vermittelte Diplomsportlehrer Thomas Hillerich, der im gleichen Verein aktiv ist wie Bettina Wiegmann. Auf seine Einladung hin besuchte die Weltmeisterin das Berufskolleg im ehemaligen Füssenicher Kloster. Eine weitere Trainingseinheit ist bereits geplant. Das Berufskolleg hat bereits „die Fühler ausgestreckt“ nach Jung-Nationalspieler Lukas Podolski vom 1. FC Köln.
BLU

Rheinufer vom Müll befreit

Ursulinenschülerinnen bei Müllsammelaktion der Stadt aktiv

Eine reiche Ausbeute hatten die Mädchen der Ursulinenschule bei ihrer Müllsammelaktion am Rheinufer. (Foto: Privat)

HERSEL. Auch in diesem Jahr nahm die Ursulinenschule Hersel an den Müllsammlungsaktionen der Stadt Bornheim teil. Zwei der Klassen fünf von Realschule und Gymnasium teilten sich unterhalb des Schulgeländes den Rheinuferbereich. Dort ist das Suchen von Müll immer sehr ergiebig. Die beiden Klassen präsentierten sich nach Abschluss der Aktion erschöpft, aber angesichts der gesammelten „Müll-Ausbeute“ auch stolz. Die Klassenlehrerinnen Beate Mauel und Beate Reich unterstützen seit vielen Jahren neben anderen Lehrkräften diese Aktion. Aufgrund ihrer Erfahrung lassen sie die Mädchen an diesem Tag in Gummistiefeln und alten Kleidungsstücken zur Schule kommen. Ebenfalls mit im Gepäck sind Seife und Handschuhe. Die Stadt Bornheim holt die Müllsäcke später ab. „Ende Februar, Anfang März hat uns schon häufig der Rhein einen Strich durch die Rechnung gemacht, oft genug ist in dieser Zeit nämlich Hochwasser“, berichteten die Lehrerinnen. Diesmal hatten sie Glück.
ES

Turm erfordert Millimeterarbeit

„Schieflage“ von St. Johann Baptist wird behoben — Eine Million Euro Kosten

KÖLN. Das Ende eines kurzlebigen Wahrzeichens ist in Sicht: Mit einem aufwändigen Verfahren soll der schiefe Turm von St. Johann Baptist in der Kölner Südstadt wieder aufgerichtet werden. Im September vergangenen Jahres hatte sich der Kirchturm bei Bauarbeiten zur Nord-Süd- Stadtbahn um fast einen Meter nach vorne geneigt (Die Kirchenzeitung berichtete). Ursache waren Hohlräume im Umfeld des Gotteshauses, die erst bei dieser Bohrung entstanden sein sollen. Sie seien nicht vorhersehbar gewesen, hieß es in einem Gutachten. Zurzeit wird der Turm von Stahlträgern abgestützt. Rund eine Million Euro werden für die begonnene Baumaßnahme veranschlagt — Arbeiten, die sich über Monate hinziehen werden. Im Moment werden zwei 28 Meter tiefe Bohrpfähle mit einem Durchmesser von 1,20 Metern an der Frontseite des Turmes in die Erde gebohrt und mit Beton aufgefüllt. Zwölf weitere dieser so genannten „Kleinbohrpfähle“ sollen aus dem Inneren der Kirche heraus hergestellt werden. Um diese Stege herum wird ein Gerüst gebaut. Darauf kommen vier Hydraulikpressen mit je 300 Tonnen Hubkraft. Mit dieser Kraft soll der Turm Millimeter für Millimeter in die senkrechte Position gebracht werden. Trotz der genauen Bodenuntersuchungen gibt es für die Verantwortlichen noch Unsicherheitsfaktoren. Da es über die Qualität der Bodenverhältnisse keine punktgenaue Aussage gibt, wird die Baustelle rund um die Uhr mit Messgeräten beobachtet und überwacht. Die Bewohner in den Häusern gegenüber der Kirche müssen den Plänen nach ihre Wohnungen nicht noch einmal verlassen. Schon jetzt scheint jedoch festzustehen: Der Turm wird bis zum Weltjugendtag nicht wieder gerade stehen. Die Gemeinde hofft aber, dass sie an Pfingsten einen Teil ihrer Kirche wieder in Besitz nehmen kann. Es soll eine provisorische Trennwand zwischen Kirchenschiff und Turm eingezogen werden.
RUM

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